Vor der Kutsche 

Meine Mama ist ein Kutschpferd! Ich bin jetzt schon acht Wochen alt, und das habe ich noch gar nicht gewußt!

Es ist der 23. Juni. Carl und Sigrid bringen einen kleinen roten Wagen mit und stellen ihn in den Eingangsbereich unserer Koppel.

Ich schaue mir den Wagen in aller Ruhe an, während Mama das Geschirr angelegt wird. Natürlich steige ich auch sofort mit meinen Vorderbeinen auf den Wagen.... Mir ist nicht ganz klar, wie ich auf diesen kleinen Wagen passen soll....

Ob das wohl so gedacht ist? Noch habe ich keine Idee, wie das alles gehen soll.... und was wir jetzt wohl machen!

Aber dann geht es ganz schnell. Mama wird vor den Wagen gestellt und mit ihrem Geschirr daran verbunden. Carl setzt sich auf den Wagen - schade, für mich ist dort jetzt kein Platz mehr - und Sigrid öffnet uns das Tor, damit wir auf die kleine Straße hinausfahren können.

Ich darf frei neben der Kutsche laufen, und auf der anderen Seite des Zaunes laufen meine Freunde mit.

Ich finde das sehr spannend und laufe genau neben Mama. Das macht Spaß!

Mama macht das ganz toll. Carl spricht mit ihr und sagt ihr, was sie machen soll. Bald traben wir fröhlich dahin.

Ich versuche, mit Mama im Gleichschritt zu laufen, und manchmal, wie auf diesem Foto zu sehen, geht das schon ganz gut!

Im Wald angekommen bleibe ich hinter Mama zurück. Es ist hier alles so still....

Ich freue mich, wieder im Wald zu sein. In welche Richtung wir wohl heute gehen werden? Mama möchte lieber nach links gehen, ich nach rechts. Da war ich nämlich noch nie....

  

 

Hier gibt es für mich immer so viel zu sehen!

Auch am Feldrand wachsen immer sehr interessante Pflanzen. Gut, dass Mama erlaubt, dass ich mir alles anschauen darf!

 

 Wie gut, dass auf dieser Straße und im Wald keine Autos fahren dürfen! So darf ich immer noch frei herum laufen.

Nach einer halben Stunde sind wir wieder an unserer Koppel, und ich bin ganz schön müde! So viel zu sehen und zwei Kilometer zu laufen ist noch ganz schön anstrengend für mich!

Aber dafür habe ich es geschafft, die ganze Zeit nicht zu trinken! Erst auf der Koppel trinke ich mich jetzt so richtig satt!

Und frage dann die anderen, wer mit mir spielen möchte?

Leider sind sie alle mit Grasen beschäftigt. Wie schade! Naja, sie haben ja auch nicht so eine gute Verpflegung wie ich. Wenn ich drei Minuten von Mama getrunken habe, brauche ich erst einmal kein Gras mehr, dann bin ich richtig satt!

In der Folgezeit fahren wir nun öfter mit dem kleinen Wagen. Und am 2. August fahren wir zum ersten Mal mit der großen Kutsche, und ganz viele Kinder kommen mit!

 

Wir halten im Wald an, damit alle Kinder absteigen und herumlaufen können, genauso wie ich!

Am 26. August, als ich genau vier Monate alt bin, darf ich dann allerdings zum ersten Mal nicht mit Mama mitkommen. Die ersten Meter laufe ich zwar noch als Handpferd mit, aber weil ich dann husten muss, beschließt Carl, dass er mit mir nach Hause geht. Ich gehe ganz brav mit ihm mit, und er bleibt dann auch bei mir und den anderen Pferden, um zu sehen, ob ich Kummer habe ohne Mama. Wir legen uns zusammen ins Gras, und ich bleibe bei ihm. Eine Dreiviertelstunde später kommt Mama schon wieder. Sie ist auch ganz brav gewesen, sagt Sigrid, hat aber sehr oft nach mir gewiehert. Nun müssen wir beide lernen, dass wir uns auch mal trennen müssen. Ich finde das gar nicht schlimm, weil ich ja gar nicht alleine bin. Die anderen Pferde und meine Familie sind ja immer bei mir, wenn Mama nicht da ist.