14 Tage alt: Ich bekomme ein Halfter 

Also, eigentlich genieße ich meine Freiheit.... Ich darf machen, was ich möchte....

Ich laufe mit Mama umher, und heute steht sogar zum ersten Mal ein Wasserbottich auf unserer Koppel. Bisher gab es nur den großen Wassereimer, für den ich zu klein bin; ich konnte und durfte noch kein Wasser trinken. Aber nun haben meine Menschen offenbar beschlossen, dass ich schon groß genug bin, um Wasser trinken zu dürfen, so wie Mama. Es macht Spaß, mit dem Mund im Wasser zu spritzen.

Später kommen sie zu mir und zeigen mir ein kleines, weiches schwarzes Halfter. Es sieht so ähnlich aus wie das von Mama, aber viel kleiner. Sie kraulen mich und legen es mir dann ganz vorsichtig über die Nase und um das Genick. Und ehe ich mich versehe, ist es zu. Ich laufe sofort zu Mama, um es ihr zu zeigen.

Mama findet, dass ich sehr schick damit aussehe.

Bäh, aber es ist egal, was Mama sagt - ich finde das Halfter blöd!

 

Es stört mich auf meiner Nase,  und ich versuche, es abzuschütteln. Aber das geht nicht. Und auch, als ich eine Weile buckelnd über die Koppel gerannt bin, ist es immer noch fest. Ich höre, wie Emily sagt, dass es scheinbar lustig wird, mich einzureiten, so schön, wie ich buckeln kann. Einreiten? Was ist das nun schon wieder.... Na gut, bevor ich auch noch darüber nachdenke, gewöhne ich mich eben erst einmal an das Halfter. Die anderen Pferde haben schließlich auch alle eines - bedeutet es also, dass ich jetzt schon groß bin?

Eigentlich steht es mir ja auch wirklich ganz gut....

Nach wenigen Minuten nehmen sie mir das Halfter auch schon wieder ab. Naja, daran kann ich mich ja schnell gewöhnen!

Bis ich an Halfter und Strick geführt werde wie die Großen, vergehen noch viele Wochen. Ich habe gehört, dass sie sagten, es sei gefährlich für mich, wenn jetzt schon Druck auf mein Genick ausgeübt wird. Das kann ja leicht passieren, wenn ich mich wild benehme und sie mich dann festhalten wollen. Ich finde das gar nicht schlimm, dass ich noch nicht geführt werden muss. Und das Halfter habe ich auch immer nur für zehn Minuten an.

Am 26. Mai, als ich genau einen Monat alt bin, bringen sie mir etwas Neues mit. Sie sind der Meinung, dass ich schon möglichst viel von der Welt sehen soll. Aber frei laufen darf ich nur noch auf den kleinen Straßen und nicht mitten durch unser Dorf. Sie sagen, das sei zu gefährlich. Also haben sie mir ein Brustgeschirr für große Hunde gekauft. Es passt mir gut, und so können sie mich festhalten, ohne meinen Kopf halten zu müssen.

Meistens brauchen sie mich ja auch gar nicht festhalten, weil ich brav neben Mama laufe. Wir gehen in eine ganz neue Richtung, in der ich noch nie war!

Im Dorf gehe ich neben Carl, und er legt mir den Arm um den Hals. Das ist schön und ich fühle mich sicher mit ihm und Mama.

Wir sehen viele Traktoren und Anhänger, und ich schaue mir alles ganz genau an. Ist das aufregend!

Als wir wieder zuhause ankommen, lobt Carl mich ganz doll. Er sagt, ich sei sehr brav gewesen und es habe Spaß gemacht, mit mir spazieren zu gehen. Hoffentlich machen wir das jetzt öfter!

Erst einmal bin ich soooo hungrig! Spazieren gehen ist auch anstrengend für mich!

Wir gehen jetzt einige Male so spazieren, immer nur eine Viertelstunde, aber das macht mir viel Spaß. Nach zwei Wochen passt das Geschirr aber leider nicht mehr richtig, und außerdem kann nur noch Carl mich halten, wenn ich doch mal weglaufen möchte. Ich bin nämlich schon so stark.

Anschließend können wir eine Zeitlang nicht spazieren gehen, weil sie mich immernoch nicht für längere Strecken am Halfter führen möchten. Nur über die Straße werde ich nun schon am Strick geführt, um sicher auf unsere Koppeln zu kommen. Das geht ganz gut und stört mich auch nicht. Wir machen das jetzt jeden Tag so.

Ende Juli, als ich drei Monate alt bin, kurz vor der Fohlenschau, beginnen wir dann richtig das Führen zu üben. Carl und Sigrid bringen mir das bei. Sigrid führt mich, und Carl treibt mich von hinten, damit ich Sigrids Geschwindigkeit mitlaufe. Das verstehe ich schnell und werde bald genauso am Halfter geführt wie die großen Pferde. Das macht mir sogar Spaß! Ich werde dabei ganz viel gelobt, und endlich können wir wieder spazieren gehen! Jetzt laufe ich immer ganz schnell zu meinen Menschen hin, wenn ich sehe, dass sie mein Halfter in der Hand haben, weil ich dann weiß, dass wir etwas Schönes machen werden. Sie führen mich nun sogar von der Kutsche aus oder Carl führt mich, wenn er auf Mama sitzt! Das ist toll, weil ich immer mehr von der Welt sehe!