Ohne Mama

 

7. September. Ich bin viereinhalb Monate alt.

Und wie ein kleines Kind, bin ich auch manchmal leider zu frech und übermütig dumm....

Leopold hat Reitstunde an der Longe, und ich grase zunächst ganz brav.

Als es mir langweilig wird, laufe ich neben einem Hund am Zaun entlang .... Das ist lustig! Ich würde gerne mit ihm spielen.

Als der Hund weg ist, laufe ich zu Mama. Ich möchte ein bißchen von ihr trinken.

Weil Mama mich ignoriert und einfach mit Leopold weiterläuft, werde ich ärgerlich. Ich lege die Ohren an, um allen meinen Unmut zu zeigen. Aber sie beachten mich nicht....

Also laufe ich von vorne quer in die Longe, damit Mama endlich stehen bleiben muss.

Senkrecht steige ich neben Mama in die Luft. Und endlich hält sie an!

Als Leopold dann aber laut schreit, weil er Angst vor meinen Hufen hat, und ich auch noch mit dem Vorderbein im Ausbilder stecken bleibe, erschrecke ich mich auch sehr. Zum Glück kann ich mein Bein selber wieder befreien und darf dann von Mama trinken.

In der Folge dieses Vorfalls darf ich am nächsten Tag nicht mehr mit Mama zum Reiten gehen. Wenn Mama an der Longe ist, werde ich nie mehr mitkommen dürfen. Sie sagen, es hätte schlimm ausgehen können.

 

Nachdem wir also heute beide geputzt sind, muss ich zurück auf die Koppel zu den anderen Pferden, und Mama geht alleine los.

Ich bleibe am Zaun stehen und schaue Mama hinterher. Ich rufe sie, aber sie geht einfach weiter....

Fee kommt zu mir, um mich zu trösten.

Zusammen schauen wir, wo Mama wohl ist.

Mama, wann kommst Du wieder?

Ich gehe dann zu Goldi. Er ist schon 19 Jahre alt und immer ganz lieb zu mir. Wenn ich ihn darum bitte, macht er sofort Fellpflege mit mir.

Auch er tröstet mich.

Die beiden Großen nehmen mich dann in ihre Mitte, und nach einer halben Stunde kommt Mama auch schon wieder zu mir zurück!

Zum Glück habe ich Glück im Unglück.  In den letzten Wochen musste ich immer mal wieder husten. Nicht schlimm, aber doch jeden Tag ein paar Mal. Es geht mir sonst auch gut, ich bin munter und fröhlich, aber Sigrid fand doch, dass die Tierärztin einmal meine Lunge abhören sollte.

Sie kommt am Tag darauf, am 9. September. Sie schaut meine Nase an - ich habe keinen Schnupfen - und tastet meine Lymphknoten ab. Sie sind leicht geschwollen, sagt sie.

Und leider hört sie ein Geräusch auf meiner Lunge.

Nun muss ich also zweimal am Tag eine Medizin nehmen, damit der Schleim in meiner Lunge sich auflöst und ich nicht mehr husten muss. Die Lunge ist für uns Pferde, die wir Fluchttiere sind und schnell laufen können müssen, ganz wichtig.

 

Leider mag ich die Medizin nicht essen! Erst als Sigrid das Pulver in ein Kräuterfutter rührt, esse ich alles ganz brav auf.

Außerdem sagt die Tierärztin, soll ich so viel wie möglich laufen, damit ich den Schleim in meiner Lunge gut abhusten kann. Ich darf also am gleichen Tag wieder mit Mama mitkommen, als sie zum Reiten auf ein Stoppelfeld geht! Welch ein Glück für mich!

Wenn ich aber doch einmal wieder zuhause bleiben muss, ist das auch nicht mehr schlimm. Ich bin ja immer bei meinen Freunden und weiß auch, dass Mama immer bald wieder zu mir zurück kommt.